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LITHA 2008 Bericht von der alpenschamanischen Sommersonwendfeier oberhalb des Gasteiner Tals am Samstag, den 21. Juni 2008
Stammgäste alpenschamanischer Feiern kennen unser besonderes Verhältnis zu den Wettergeistern. Beltane 2008 war so ein „Fingerzeig“. Litha 2008 wurde es auch – dieses Mal allerdings geprägt von einer sommerlichen
Entwicklung, die nicht schöner hätte sein können. Während die Tage vor dem 21. Juni noch nass und kalt waren und dasWunder vom Untersberg
(siehe oben) sich ereignete, bot schon der Vormittag des Sonnwendtages einen tiefblauen Alpen-Himmel. Letzte Wolken begleiteten uns noch beim Aufstieg auf Fredis Bergwiese und lösten sich bis zum Sonnenuntergang auf. Die
aus Oberösterreich, dem Münchner Umland und der Bioregion Untersberg angereisten Sonnwendler kämpften sich mit schwerem Gepäck tapfer über den steilen Anstieg hinauf. Fredi hatte unser Gepäck vom letzten Parkplatz noch
bis zum Anstiegsbeginn hinaufgefahren. Es war ein befreites Durchschnaufen auf seiner heiligen Wiese – Freude und Dankbarkeit für die Aussicht und das vorbereitete Brennholz. Wir stimmten uns ein – auf den Platz und
seine Geister – und wir richteten uns ein. Zelte wurden aufgestellt und Biwakplätze eingerichtet, „Nester“ gebaut. Und schließlich in einer gemeinsamen Aktion das Feuerholz aufgeschlichtet. Dann näherte sich
Großvater Sonne dem Horizont und wurde trommelnd verabschiedet. Heiliger und reinigender Rauch stieg auf – das Räucheritual begann und es wurden die Geister eingeladen. Ein mitgebrachter Ritualstein zur Befreiung von Tibet
wurde bei Trommelklängen eingegraben. Fredi hatte ein kleines Grillfeuer entzündet und es gab Speis und Trank, während um uns herum, auf den gegenüberliegenden Berghängen die ersten Feuer aufleuchteten – und mehr und
mehr wurden. Jodler und Juchizer klangen herüber. Ausgelassenheit! Unser Feuer reihte sich als letztes in den Lichterreigen ein. Auf den Berggipfeln und Berggraten brannten unzählige Fackeln und Feuerschalen. Das Jahr
hatte seinen Höhepunkt erreicht, die Kraft des Sommers und der kürzesten Nacht war spürbar. Unser Feuer explodierte förmlich, so sehr züngelten die Feuergeister gen Himmel. Irgendwann war es still geworden. Die
Sonnwendler starrten in die Flammen oder auf die illuminierten Berge. Es war ein Genießen und ein Be-sinnen. Spät in der Nacht und wahrscheinlich weit nach Mitternacht wurde es noch einmal lebendig. Es galt den Sprung
übers Feuer zu wagen, Partnerschaften und Bande zu stärken und dann erklangen die Lieder, die erdeten und segneten: „Muata i gspiar di...“, der Andachtsjodler usw.
Wer nun sein Biwak unter freiem Himmel bezog, durfte sich an der Pracht eines alpinen Sternenhimmels erfreuen und einschlafen. Ich wachte früh wieder auf – als die ersten Sonnenstrahlen das Bäreneck beschienen. Eine
zarte Rauchfahne stieg immer noch vom Sonnwendfeuerplatz auf. Doch es dauerte noch lang, bis die Sonne über die Baumwipfel kam und unseren Platz erwärmte. Bis dahin schürten wir bereits ein Morgenfeuer und frühstückten.
Von allen Ecken der Bergwiese kamen die Sonnwendler und strahlten mit der Sonne um die Wette. Ein wunderschönes Erlebnis.
Danke an die Naturgeister und den HĂĽter jenes Platzes mit seiner Familie!
Die Eingangsseite meiner Website
ist jenem Ereignis in der Salzburger Bergwelt gewidmet. Weitere Fotos gibt’s in meinem Fotoalbum.
LITHA 2006 Bericht von der SOMMERSONNENWENDE / LITHA-Fest am Freitag, den 16.06.06 auf dem Falkenstein am Wolfgangsee
Die Wetterentwicklung machte diesmal eine kurzfristige Änderung des Fest-Termins notwendig, der sich nach der Feier auch als gut gewählt herausstellte.
Allerdings war es dann doch nicht mehr für alle angemeldeten Besucher möglich, so schnell umzudisponieren.
34 Grad Celsius hatte das Thermometer am Nachmittag gezeigt, aber trotzdem war ich mit einem kurzen Untertauchen im Wolfgangsee gut erfrischt. Der Pilgerweg zum Falkenstein ist immer wieder ein besonderes Erlebnis und
diesmal meldeten sich die Wächter auf ungewohnte Weise. Auf den 3 Etappen und bei den Andersweltportalen des Weges zeigten sich 3 Schlangen: am Steilstück des Aufstiegs
eine schwarze Schlange, die sich in einen ausgehöhlten Baumstumpf verzog im Hohlweg eine braune Schlange, wiederum in einem Baumstumpf und am Gipfel eine riesige grau-grüneSchlange.
Die Erscheinungen waren zum Teil begleitet von Steinschlag und einerstierköpfigen „Lichtschlucker-Wurzel“. M
aya-Frau Manuela wies daraufhin, dass - aus der Sicht des Maya-Kalenders – wir einen günstigen, sogenannten Sonnentag gewählt hatten und der nachfolgende Samstag ein Wassertag ist. Das Schauspiel von Vater Sonne am Gipfel war jedenfalls mal wieder einzigartig in seiner Dramaturgie und ließ die Besucher in sich gehen. Ein
Sonnenuntergang hoch über dem Wolfgangsee gehört schon zu den großen Erlebnissen des Jahres. Beim Holzsammeln hörten wir zum ersten Mal den Ruf der Falken. Bald hatten wir einen großen Holzstoß aufgebaut und
während Manu ihr Räucherritual zelebrierte, trafen auch die letzten Festgäste ein. Und dann begann der Horizont zu (Wetter-)leuchten. Und während die Geister zum Fest eingeladen wurden, schien es, als würden die Blitze und
der Donner uns umrunden, aber in einem etwas beruhigenden Abstand zu verweilen. Manuela bat um die Gnade, das heilige Feuerritual beenden zu dürfen und wir unterstützen dies rasselnd und singend – und es wurde gewährt!
Ja, wir durften sogar das eigentliche Sonnwendfeuer entzünden, während im selben Moment warme Regentropfen uns den Himmelssegen spendeten und wir nicht nass zu werden schienen. Während der Feuergeist mit einem großen
Funkenregen reagierte, speisten und tranken wir, sangen die alten Lieder, erzählten Geschichten und spürten den Wechsel der Jahresenergien. Kaum war das Feuer abgebrannt und es an der Zeit gewesen wäre- Holz
nachzulegen, begann ein starker Wind und die Tropfen wurden stärker. Den Übergang von der Sonnen- zur Wasserkraft-Energie wollte der Falkenstein ohne Gäste verbringen – und so beschlossen wir, das heilige Gipfelareal zu
verlassen. Die eine Hälfte der Festgäste beschloss den direkten Abstieg und die Heimreise und die andere Hälfte machte sich auf zur Höhlenkirche, um dort Schutz vor Gewitter und Dunkelheit zu suchen. Die Höhlenkapelle
erstrahlte kurz vor Mitternacht im Licht vieler Kerzen. Inzwischen waren Regen und Wind verstummt. Die Geister des Falkensteins waren wieder unter sich – nur in jener mystischen Kirche war noch keine Nachtruhe eingekehrt.
Mantren erklangen – und schließlich zelebrierten wir zur Melodie des Andachtsjodlers in der Höhle den uralten Durchkriechbrauch – um uns nochmals den Höhepunkt des Jahres zu vergegenwärtigen, neue Kraft für die 2.
Jahreshälfte zu sammeln, geheime Wünsche loszuwerden oder den Segen jenes Ortes zu empfangen. Martina und ich quartierten uns in der Halbhöhle rechts neben der Kirche
ein, während der Rest sich ins Tal verabschiedete. Am Morgen empfing uns wieder der Ruf der Falken. Wir füllten unsere Flaschen mit dem legendären Heilwasser der nahen Wolfgangsquelle und stiegen schließlich ebenfalls
ab nach Fürberg – nicht ohne ein letztes Mal eindrucksvolle Baumwesenheiten zu beobachten, am Kultsteinhaufen ein Steinopfer zu bringen und unsunterhalb der Drachenwand im Wolfgangsee zu erfrischen. Der Nachmittag und der Samstagabend waren schlussendlich von der Wasserenergie geprägt – es gewitterte und regnete!
LITHA 2005 Sommer-Sonnenwende 2005 in den Alpen - am 18.06.05 - auf dem Falkenstein am Wolfgangsee
Jahreskreisfeste sind immer etwas Besonderes. Es ist für mich schon lange mein Weg, sie wieder an den „alten Plätzen“ zu begehen. Und so kamen wir dieses Jahr wieder am heiligen Falkenstein am Wolfgangsee zusammen....
Der 18. Juni – der Wetterbericht hatte schon lange voraus heisses, trockenes Sommerwetter für das Wochenende angekündigt. Aber Samstag Früh
regnete und nebelte es erst mal. Der Untersberg war dicht in Wolken gehĂĽllt. Doch ich sah mich schon lange Zeit wieder am Abend des 18. Juni beim Sonnenuntergang am Falkenstein sitzen.
Tagsüber klingelte das Telefon: unsichere Nachfragen und Bedenken wegen des bevorstehenden Abends. Mein Zauberwort hieß: Vertrauen –
trotzdem konnte auch ich – angesichts dieses trüben, kühlen und feuchten Wetters meine Zweifel nicht ganz verdrängen. Aber ich wusste auch
zugleich, dass besondere Begegnungen stattfinden würden. Ganz spontan hatte sich ein peruanischer Schamane aus dem Amazonasgebiet als Gast angekündigt. Und etwas Regenwaldatmosphäre schien jener Samstag schon zu besitzen...
Kurz bevor ich dann losfahren wollte, rief Manuela aus Bad Ischl an (Ischl liegt nahe am Wolfgangsee) und berichtete, dass es gerade wieder
fürchterlich regnen würde. Alles wäre nass und sie könne sich kaum vorstellen, das nasse Holz zum brennen zu bekommen. Und sie überlege, ob sie
ĂĽberhaupt den Schlafsack mitnehmen sollte. Und ich sprach wieder jenes Zauberwort: Vertraue.
Schließlich holte ich meinen Mitfahrer ab – jenen Theologen, den ich erst seit kurzem kenne und der „so ganz anders“ war. Lag das nur an seinem
Ruhestand? Und dann zeigte er mir seine „Anderswelt“ – und ich verstand. Und er lies mich Worte lesen und ich fühlte, wer vor mir stand. Schamanen sprechen meist nicht über ihre eigentliche Aufgabe und Berufung...
Ich gestehe, wir zelebrierten noch einen „kleinen“ Wetterzauber. Und das große Wolkenloch, was jetzt über uns entstanden war, nahmen wir einfach mit an den Wolfgangsee.
Und als wir kurz vor dem vereinbarten Treffzeitpunkt am Seeufer aus dem Auto stiegen, da saß bereits die Almchristine auf der Wiese – in der warmen Sonne!
Und hoch oben – im Reich des Falkenstein – sah ich den Falken fliegen. Es war ein gutes Zeichen.
Und dann kamen die Besucher – aus München, Bad Reichenhall, Wien, Salzburg, Peru – und auch aus Bad Ischl mit (!) Schlafsack und vorsichtshalber Benzin zum Feuerentzünden.
Der alte, steile Pilgerweg und schließlich der schmale Steig zum Gipfel forderten Schweiß und Mühen, denn das Gepäck hatte bei allen
Trekkingdimensionen – schließlich waren auch Trommeln, Rasseln und feierliche Verpflegung dabei.
Jedes Mal ist es wieder ein unbeschreibliches Gefühl aus den mystischen Hohlwegen dann plötzlich hinaus auf das Gipfelareal zu steigen und den
Wolfgangsee unter sich und die Bergwelt um sich aufzunehmen. Sonne und Wolken beschrieben ein eigenes Schauspiel am Himmel. Das können jetzt nur noch Bilder vermitteln.
Nach kurzem Verschnaufen begann ein eifriges Holzsammeln und unsere Feuerfrau Manuela gestaltete es zu einem ansehnlichen HolzstoĂź. Dabei
sah ich plötzlich, wo unser peruanischer Gast Cato sein Zelt aufgeschlagen hatte: direkt neben dem alten, versteckten Kultplatz am Gipfel. Ich zeigte
ihm jene keltische Kultstätte – hoch über der Drachenwand über dem Wolfgangsee. Und dort tauchten wir ein in jene Kraft. Ich wurde mitgerissen
von seinen Zeremonien und Gesängen, ließ zu, was in mir geschah – die Worte, Lieder und Gesänge und Gesten – und ich sah mich in eine alte Zeit versetzt.
Ziemlich wortlos (sprachlos?) ging ich danach zurück in den Feuer- (Feier-)bereich und man bedeutete mir, dass es „Zeit“ wäre: der Sonnenuntergang stehe bevor.
Wieder gab ich mich jenem Himmelsschauspiel hin und hatte mir dazu einen geeigneten Platz ausgesucht. Es war Zeit die Spirits zu unseren bevorstehenden Feier einzuladen und zu rufen.
Als ich aufblickte, um die Geister des Himmels zu rufen, stand mir in einem Wolkenloch die Mondgöttin gegenüber und als ich mich zum Schluß
wieder gen Westen zum Sonnenuntergang drehte und zu trommeln begann, blitzte wieder fĂĽr einige Momente die Sonne durch die Wolken. Um mich herum stimmten die anderen Trommeln ein.
Und dann passierte es: kurz vor dem Sonnenuntergang zeigte sich GroĂźvater Sonne. Die Sonne schob sich unter den Wolken hervor, um uns an
ihrem „zur Ruhe gehen“ teilnehmen zu lassen. Noch einmal schwollen die Trommelklänge und Gesänge an bevor mit den letzten Strahlen Ruhe einkehrte. Diese Nacht war eine gesegnete Nacht.
Inzwischen hatten alle ihren Schlafplatz gefunden. Man stärkte sich und tauschte Essen und Getränke.
Unsere Feuerfrau hatte nun auch ein heiliges Feuer nach altem Mayabrauch neben dem eigentlichen Feuerplatz hergerichtet. Cato hatte mich vorher
schon nach unseren keltischen Wurzeln befragt und es war schon bewegend, dass sich auf einem keltischen Kultort die Rituale zweier Hochkulturen
trafen. Es heißt, die Kelten und Mayas – die Alpen und die Anden – standen schon vor langer Zeit in Verbindung. Und die alten Weisen kennen noch diese Zusammenhänge.
Und so nahm dann eine geweihte österreichische Maya-Priesterin den Amazonasschamanen in den Kreis und der Kreis begann zu vibrieren.
„Cielo“, „Luna“, „Pacha Mama“... laut wurde diese vertrauten Worte intoniert und der hereinbrechenden Nacht, der immer wieder durch die letzten
Wolken durchstrahlenden Mondgöttin, den Geistern der Dunkelheit, des Feuers und Mutter Erde gewidmet – während bereits rundherum die
Sonnwendfeuer leuchten: am Seeufer, auf den Almwiesen und den hohen Berggipfel. Es waren mehr Feuer als letztes Jahr und wie ich später hörte,
waren es scheinbar überall mehr Feuer als sonst. Und das trotz der verunsichernden Wetterentwicklung und Nässe.
Doch es kam eben, wie es kommen sollte. Unser eigentliches Sonnwendfeuer reihte sich als letztes in den Feuerreigen. Die Nacht war sternenklar,
das Feuer zeigte sich freundlich – auch wenn es „Warnungen“ aussprach. Mit Feuerritualen, vielen Gesprächen, Begegnungen und Liedern wurde
eine der letzten kurzen Nächte gefeiert. Mit Blickkontakt zur Mondgöttin ging ich in einen kurzen Schlaf.
Fast alle hatten sich zur Ăśbernachtung am Gipfelplateau entschieden. Wir hatten am Morgen wirklich das GefĂĽhl, den Beginn des Sommers zu
erleben und gefeiert zu haben. Nebelschwaden lagen kurz über dem See und lösten sich mit ansteigender Kraft der Morgensonne auf. Ein Anblick –
der jeden Falkensteinbesucher verzaubert hat. Obwohl sehr früh durch jenes Schauspiel die Gäste aus den „Federn“ gekrochen kamen und schon
bald die ersten Bergsteiger den Gipfel erklommen, blieb es sehr ruhig – fast meditativ. Eine Qui Gong-Gruppe praktizierte neben dem Feuer, das schließlich auch noch mal angeheizt wurde.
Am späten Vormittag marschierten wir als abschließenden Höhepunkt hinüber zum Kultbereich der Heilquelle und der Höhlenkirche. Wieder
mischten sich schamanische, christliche und Maya-Riten. Alles schien zu fließen – die Unterschiede waren kaum spürbar, denn sie wurden wohl
meist auf Herzebene aufgenommen. Und nach dem Durchkriechritual in der Höhle stimmte David ein gregorianisches Lied an – das ich an jenem
Tag noch einmal beim Trommeln für Mutter Erde auf der Burg hören durfte. Ein Lied, das mir unter die Haut ging. Zurück am See wagten schließlich noch einige den Gang ins – sehr erfrischende – Wasser.
Sommer-Sonnenwende am Falkenstein am Wolfgangsee. Und morgen am Falkenstein bei Inzell. Die alten Plätze laden uns ein. Und wir lernen dabei Achtsamkeit und Vertrauen.
LITHA 2004
am 26.06.04 - auf dem Falkenstein am Wolfgangsee
Zum Ende der 12 heiligen Tage um die Sommersonnenwende hat auch die Feier am Falkenstein geklappt. Und das Erlebte und Gesehene wird wohl noch einige Zeit in uns nachwirken....
Schon im Laufe der letzten Woche hatte der Wetterbericht immer wieder bestätigt, dass der Samstag ein sonniger, trockener und warmer Tag
werden würde. Durch die Verschiebung konnten allerdings auch einige nicht dabei sein, die am ersten vorgesehenen Termin dabeigewesen wären.
DafĂĽr kamen wieder andere dazu. Die Mitfahrgelegenheiten wurden gut genutzt und so waren die meisten Autos, die am Parkplatz FĂĽrberg ankamen gut besetzt.
Und es war eine angenehm erwartungsvolle Stimmung, die sich noch vor dem Anstieg zeigte. Meinen Hinweis auf das Mithinauftragen von
Opfersteinen nahmen nur ein paar ganz „Harte“ auf sich, denn das Gepäck der Gruppe hatte schon enorme Ausmaße und entsprach fast einer Treckingtour
mit SchlafausrĂĽstung, Trommeln, Wasser und feierlicher Verpflegung. Und die erste halbe Stunde fordert bei dem steilen Anstieg
über den Pilgerweg schon viel Buße. Aber dann – oben an dem Übergang zum Scheffelblickweg - wo das Baumpärchen uns wieder willkommen
hieĂź und uns auf den weiteren mystischen Weg einstimmte, da wurde es schon wieder leichter und wir spĂĽrten und sahen bereits wieder den Wolfgangsee unter uns.
Und am Gipfelgrat, direkt über der Drachenwand, angekommen, da galt es zwar zunächst noch mal durchschnaufen von der Anstrenung aber auch
wieder von dem für alle Mühen entschädigenden Anblick auf das Berg- und Seepanorama im warmen Abendlicht der Sonne.
Und die nächste Überraschung war, dass wir uns absolut allein auf dem Gipfel sahen: keine andere Gruppe, die dort die Sonnenwende feiern wollte.
Und so war es ebenso auch uns ganz allein ĂĽberlassen, ein entsprechendes Feuer und Feier entstehen zu lassen.
Nach einem kurzen Einstimmen und Erholen bereitete sich emsiges Tun aus. Es wurden auf dem weitläufigen Gipfelgelände Schlafplätze gesucht und eingerichtet, die erste Trommel erklang und bald liefen die Holzsammler herum.
Der Feuerplatz war schnell bestimmt und schon waren auch 2 Feuerholzaufschlichter zugange, die das gelieferte Holz geschickt auftĂĽrmten. Und
durch das Holzsammeln wurde manch einer mit dem Kultgebiet vertraut – fand an ungewöhnlicher Stelle ein verstecktes Kreuz oder eine
eigenartige, offensichtlich kĂĽnstlich aus dem Felsen geschlagene Einbuchtung, deren starke Energie zugleich untersucht wurde oder baute einen
kleinen Steinaltar und fand neben den zahlreichen Bergkräutern auch einen Schnittlauch. Selbst die Schlafplätze orientierten sich nicht nur nach
Kriterien der Bequemlichkeit sondern auch des Schutzes zum Beispiel durch die zahlreichen Mulden oder durch beeindruckende Kraftbäume,zu deren Füssen es sich besonders schlief.
Und die Tiere am Berg? Durch häufiges Rascheln am Boden wurden wir auf die Bergmäuse aufmerksam (eine Maus hatte sich sogar über meine
Mannerschnitten im Rucksack hergemacht). Raben gaben immer wieder ihr Willkommen von sich, aber die Falken wurden diesmal nur von einzelnen und auch nur akkustisch wahrgenommen. Dafür gab es Begegnungen mit Rehen und Käuzchen.
Als das aufgeschlichtete Feuer schließlich doch ganz brauchbare Ausmaße angenommen hatte, begann das Einstimmen: das Eintönen, Einrasseln und
Eintrommeln. Zunächst verteilte sich der bunte Haufen über den Gipfelgrat und erwartungsvolle Töne beschallten den See.
Später tönten sogar Trommeln aus dem nahen Wald wieder und späte Gäste machten darauf aufmerksam, dass sie den Weg zum Gipfel nicht
fanden. SchlieĂźlich wurden sie von ein paar Heilquellenbesucher aus der Gruppe, die ihren Wasservorrat auffĂĽllen wollten, hergelotst und bis zum Beginn des Sonnwendfeuers hatten sich schlieĂźlich alle NachzĂĽgler eingefunden.
Fast zeitgleich mit den anderen Feuern auf den Bergen, den BergrĂĽcken und am See wurde nach einem entsprechenden schamanischen Ritual unser Feuer entzĂĽndet: der Mond stand fast senkrecht ĂĽber unserem Platz und die bunte
Lichtshilouette von St. Gilgen und den anderen Seeorten machte deutlich, dass auch unten viele Menschen dem besonderen Ereignis gedachten und sich ĂĽber das Feuerpanorama auf den Berggipfeln
freuten. Auch wenn das feuchte Holz anfangs nur zaghaft brannte, entwickelte sich - angefacht durch pulsierende Trommel- und Rasselrhythmen –
ein stolzes Feuer am Gipfel des Falkensteins, so wie es wohl schon vor vielen Jahrtausenden der Brauch war.
Bald tönten Lieder durch die Flammen, Mantren, Märchen und Gebete. Vieles an Sorgen, Problemen und Wünschen wurde rituell dem Feuer
übergeben. „Berührende“ Gespräche, „erkennende“ Worte, Gedankenaustausch, Begegnungen und natürlich Speis und Trank. Alles verlief spontan
– getragen von einer reinen Bergluft, wohlwollenden Naturgeistern und dem fantastischen aromatischen Duft eines Bergfeuers und seinem harmonisierenden Knistern und Funken.
Und wer wollte, konnte auch hier „Einssein“.... Der Maya-Kalender schien hier im Alpenraum zu zeigen, dass er auch für uns seine Gültigkeit hat. Manuela wies uns daraufhin, dass dieser Tag des
Sonnwendfeuers mit dem Ajpuu-Tag der Mayas zusammenfällt – also mit dem Tag des Kriegers und der Sonnenkraft (!)
einem besonders guten Tag, um unser Leben zu analysieren und unsere Lebensaufgabe zu zentrieren und Großvater Sonne dank zu sagen – was wir ja bereits durch das Feuer taten.
Und der nächste Tag, also Sonntag, der 27.6., entsprach Imox, der Kraft des Wassers, an der wir um Botschaften von den Wesenheiten der
Gewässer bitten.... und wir gingen schließlich an diesem Tag zur Heilquelle des Wolfgangsees. Die Feier dauerte bis tief in die Nacht. Das Feuer hatte eine weibliche Hüterin, die neben dem Feuer nächtigte.
Am Morgen wurde wir durch Regentropfen geweckt, die allerdings nur kurz erschienen und manch einer schlief dann noch ne Runde. Vom
Feuerplatz war jedoch schon bald wieder Stimmen und Lachen zu hören, so dass ich nach kurzem Schlaf auch beschloss, wieder vorzugehen und fand mich an einem munter brennenden Feuer wieder:
Nach dem Frühstück, dem Aufräumen, Platzsäubern und Feuerlöschen ging ein Großteil noch mit zum eigentlichen großen Heiligtum des Falkensteins: zur Quelle und zurHöhlenkirche.
Von indianischen Kräutern beräuchert und von Trommelnklängen begleitet, zelebrierten wir den Durchkriechbrauch in der Höhle und ließen uns von diesem Ort und seinen Spirits noch einmal segnen.
Das Erleben dieses Brauches ist schwer zu beschreiben und etwas sehr Inniges und Intimes: Jeder möge an das denken, was er dort erfahren, erlebt und mitgenommen hat....
Am Seeparkplatz zurückgekehrt gab es dann immer noch Mutige, die den Sprung in den kalten See wagten – vielleicht auch um den ganzen
Reinigungsprozess durch das Heilwasser und die Kulthöhle hier auch äußerlich abzuschließen.
Ich danke nochmals dem Großen Geist, den Geistern dieses Ortes und allen Gästen dieser Feier. Es war ein wunderschönes Erlebnis:
Mitakuye Oyasin (wir sind alle miteinander verwandt)
Zum Falkenstein wird man/frau immer wieder zurĂĽckkehren. Das ist (nicht nur) meine Erfahrung!
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