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Bioregionalismus
Bioregionalismus ist ein in den 70er Jahren in den USA und Kanada von Vertretern der spirituell-ökologischen Alternativbewegung entwickeltes Konzept. Es ist aus der Ablehnung des
klassischen Umweltschutzes entstanden, der vom Menschen als Maß der Dinge ausgeht (Anthropozentrismus). Bioregionalisten geben vor, die Natur ins Zentrum des Lebens zu stellen und für sie zu sprechen
(Biozentrismus). Grundidee ist die Existenz natürlich vorgegebener Bioregionen, die "historisch und mythisch" als "biophysische Organismen" faßbar seien. Diese speziellen Lebensräume
"sollen von der jeweiligen menschlichen Rasse" anerkannt werden. In den Bioregionen soll die "lebende Mutter Erde" auf tiefenökologischem Wege "befreit" werden, was v.a. dadurch
geschieht, daß jeder Mensch den ihm durch die Naturgesetze vorgegebenen Platz in der bioregionalen Gemeinschaft einnimmt. Hierzu gehört insbesondere die "Anerkennung" der Frauen in der Gesellschaft, da
deren "naturnahe Funktion der Fruchtbarkeit" die Grundstütze jeder "ganzheitlichen Beziehung zwischen Mensch und Natur" darstelle. Besonders wichtig sei die "Wiedereinwohnung" der
Regionen durch Menschen mit "Heimatrecht" u.a. durch die Belebung von Kultplätzen. In Nordamerika passiert das v.a. durch romantische Verklärung indigener "Urkulturen" von zumeist studierten
Weißen.
Hauptvertreter des Bioregionalismus sind u.a. Peter Berg, Thomas Berry, Gene Marshall, Kirkpatrick Sale und David Haenke. Organisatorisches Zentrum ist die 1973 gegründete "Planet
Drum Foundation (PDF)" mit Sitz in San Francisco. Die PDF gibt die Zeitschrift "Raise The Stakes" heraus und vereint mittlerweile als Dachorganisation bioregionalistische Gruppen weltweit. In Europa
gehören der PDF u.a. die "Cornish National Party" aus Cornwall/GB, die Vereinigung "AAM Terra Nuova" aus Scarperia/Italien und die "Unabhängigen Ökologen Deutschlands" (UÖD) an.
Zeitschriftenprojekte diverser bioregionalistischer Gruppen wie "Frontiere" und "Tellus" / Italien, "Triskel" / Spanien und "Le Recours aux Fôrets" / Frankreich sind seit
ihrem Bestehen in das Geflecht der Neuen Rechten eingebunden. In Frankreich griff die Strömung um Alain de Benoist schon Anfang der 90er in ihren Zeitschriften "Éléments" und "Crisis" den
amerikanischen Bioregionalismus auf.
Bis Ende der 80er Jahre beschränkte sich die bioregionalistische Bewegung auf Nordamerika und ist dort zu einem der bedeutendsten Stränge der Alternativ- und Ökobewegung geworden. Sie
fand dann aber auch Anhänger in Großbritannien (u.a. den Öko-Theoretiker und Träger des Alternativen Nobelpreises Edward Goldsmith, Herausgeber von "The Ecologist"), um dann ab 1995 auch im deutschen
Sprachraum aufzutauchen, verbreitet in erster Linie durch die beiden Österreicher Roman Schweidlenka und Eduard Gugenberger.
Schlagwörter, die oft in der Diskussion um Bioregionalismus auftauchen (und nicht nur dort!), sind "Tragfähigkeit einer Region (auf die Bevölkerung bezogen)",
"Nachhaltige Entwicklung", "Dezentralisierung", "Ethnopluralismus", "Europa der Regionen", "Spirituelle Heimat eines Volksstammes" u.a.. Der Bioregionalismus läßt
sich ganz allgemein als "Synthese unterschiedlichster Bewegungen - des Regionalismus alter Prägung mit seinem kultur-politischen Forderungsprogramm, der diversen ökologischen Strömungen, der neuen sozialen
und spirituellen Bewegungen" verstehen. Das Konzept des Bioregionalismus beinhaltet esoterische, ökologische und völkische Aspekte. Wesentlicher Grundpfeiler ist der Biologismus, der als Bestandteil
reaktionärer Gesellschaftsentwürfe auch soziale Unterschiede erklärbar macht und die herrschenden Machtverhältnisse als "durch die Natur(gesetze) bedingt" festschreibt.
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