Orte der Kraft - Prinzipien eines sanften und nachhaltigen Umgangs
Sagen und Mythen sind fast immer mit bestimmten Orten, mit einer Region, verbunden. Sie beschreiben das Wesen besonderer, heiliger Plätze. Die Hinweise der Sagen und Mythen können zur Grundlage der eigenen Arbeit mit den Orten der Kraft werden. Im Zuge eines zunehmenden Mytho- und Kultplatztourismus wird immer häufiger auf die negativen Folgeerscheinungen dieses Trends hingewiesen, der auch zu einer Verkommerzialisierung und Ausbeutung der starken Plätze führt(e). Heiligtümer, die vom mythischen Bewußtsein unserer Vorfahren zeugen, sollen für die nach uns kommenden Generationen erhalten werden. Aus diesem Grund werden Touristen, die sich auf die Spuren der Mythen und Kultplätze heften, ersucht, folgende Kriterien zu berücksichtigen, die für eine sanfte, nachhaltige Nutzung der Orte der Kraft bedeutsam sind:
Seien Sie kein Kultplatz-Vampir und kein Mytho-Zombie! Unsere Zeit verlangt auch im Bereich des Mytho-Tourismus und Kraftplatzbooms den respektvollen, mündigen, verantwortlich handelnden Menschen! Die Einwohner einer Region und Ihre eigenen Nachkommen werden es Ihnen danken!
Diese Prinzipien zum sanften, nachhaltigen Umgang mit den Orten der Kraft wurden vom Arbeitskreis für Bioregionalismus und spirituelle Ökologie (Bad Aussee) im August 1995 erstellt.
Kontaktadresse:
AK Bioregionalismus & Spirituelle Ökologie, Grubenstr.15, A-8990 Bad Aussee, Tel. 03622/53016
Mein Projekt “Kultplatzhüter” entstand durch eine intensive Auseinandersetzung mit den Mythen, Kraftorten und Kultplätzen meiner Heimat. In den nachfolgenden Texten
habe ich die vom AK Bioregionalismus & Spiritualität entwickelten Prinzipien und Hans Haids Worte zum Kult und Mythos in den Alpen als stimmige Darstellung und Begründung meiner Absichten gefunden und übernommen.
Ich hoffe, dass
viele Menschen den Zugang zu diesem Projekt und seiner Notwendigkeit finden.
Rainer Limpöck
Oktober 2003
Es bahnen sich zweierlei Extreme an. Zuerst ist es die weitere Mutation und Degeneration des Älplers, die folkloristisch-touristische Raffgier, das weitere Erbauen von Aufstiegshilfen in die höchsten und
schönsten Gebirgsregionen , “das Erschließen” letzter Ferner-Schönheiten, das geistige Verkümmern der massentouristisch begrenzten Hoteliers-Hirne, das Dahinweichen des Geistes und der Poesie sowie das erschreckende Zunehmen der
neuen “Kulte” in den Alpen mit Snow-Mythos und Betten-Wahn, allesamt eingebunden in eine neue Sehnsucht des Menschen nach Wurzeln und Geborgenheit, nach der Wiedergewinnung der eigenen Überschaubarkeit und Gestaltbarkeit. Wehe aber
diesen Snow-Helden und miserablen Heimatzerstörern!....
...Was wird dem gegenüberstehen? Ein intensives Wurzelsuchen, ein beständiges Nachforschen, ein Wiederentdecken alter Steine, Mahnmale, Bergweisheiten, Kräuterkundigkeiten und Überlebensmöglichkeiten.
Es wird sich ein ungeheures
Anwachsen der KULTUR- und BÜRGERINITIATIVEN ergeben, zwangsläufig, wegen der notwendigen Konfrontation mit den uneinsichtigen Brutalzerstörern.
Diese über die ganzen Alpen und solidarisch in alle Urlaubsländer sich wie im
Schneeballsystem ausbreitende MÜNDIGKEIT & EMANZIPATION wird immer mehr erstarken und wird etablierten Organisationen nach und nach den Garaus machen. Tausende junger Menschen werden wurzelsuchend die STARKEN PLÄTZE der Regeneration
und des Krafttankens aufsuchen, werden sich hundertfach zusammenschließen und ein neues Leben erproben: auf Almen beim Käsemachen und Geistergeschichten erzählen; beim Tanz um Mythos und Schalenstein. Und es kann von dieser
postmateriellen Denkweise und von diesem ANDEREN LEBEN eine neue Kraft ausgehen.
Wir stehen am Beginn einer Entwicklung.
Wenn unsere Wälder und Bergtäler, Almen und Alpenrosensträucher, Farne und Arnikawiesen tot sind, ökologisch
tot und vergiftet, wenn unsere Parade-Tourismus-Folkloreälpler ebenfalls tot sind, also hoffnungslos degeneriert, geistig-musisch tot, dann ist die Chance gekommen für MYTHOS & KULT in den Alpen.
Wir erleben eine neue Zeit.
Hans Haid - Mythos und Kult in den Alpen, 1990 - Verlag rosenheimer