Die Sonne geht über dem Untersbergmassiv auf - ein strahlender Spätsommertag -
Samstag, der 18. September 2004, um 8:30 Uhr:
Ich stehe allein im Marienheilgarten Großgmain vor der Madonna und bete für ein gutes Gelingen des Medizinrads
und es geht mir noch einmal alles durch den Kopf, was zu diesem besonderen Tag führte.
Wer sich mit Schamanismus beschäftigt, wird irgendwann auch auf
die alten Rituale und das Arbeiten mit Ursymbolen und den Naturkräften stoßen und auf die Bedeutung der indianischen Medizinräder. In allem was ein Indianer tut, findet er die Form des Kreises wieder, denn die Kraft der Welt wirkt
immer im Kreis, und alles strebt danach, rund zu sein. Das Leben beschreibt einen Kreis und so ist es mit allem, das eine Kraft bewegt. Und das Medizinrad lehrt uns in eindringlicher
Weise darüber nachzudenken, wohin der Kreis des Lebens gekommen ist.
Viele Schamanen aus der ganzen Welt kamen in letzter Zeit in den Alpenraum - in unsere Bioregion. Sie gaben uns die Möglichkeit an ihrem Verständnis für Mutter
Erde und an ihrer Spiritualität teilzunehmen, aber zugleich riefen sie dazu auf:
findet eure eigenen Wurzeln wieder - und damit eigene Rituale, Kultplätze/Kraftorte und Mythen, die in der soziologischen und psychologischen Entwicklung einer Gesellschaft/eines Individuums eine nachweisbar wichtige Funktion innehatten.
Bei einem Lakota-Schamanen (Sunheart) im Berchtesgadener Land lernte ich so auch Thea kennen, die dort ihren Wunsch äußerte, in unserer Region ein Medizinrad zur Harmonisierung von Energien zu installieren. Auch sie war inspiriert
von einem Mandan-Schamanen (Tacan'sina), der europaweit bereits Medizinräder baut und sie schlug auch den Marienheilgarten in Großgmain als geeigneten Platz vor.
Kurze Zeit später saßen wir zusammen beim Pfarrer Schmatzberger und er
begrüßte dieses Vorhaben und ließ uns einen geeigneten Platz finden.
Intuitiv schlug ich die Herbstsonnenwende als passenden Termin zum Medizinradbau vor. Am Nachmittag dieses Tages und im Jahr des Regenbogens baute sich vor dem
Untersberg ein doppelter Regenbogen auf, deren rechter Ausläufer Großgmain berührte.
Regenbogen am 26. Mai 2004 über dem Untersberg
Es war das Zeichen von Mutter Erde - die Resonanz. Dasselbe erlebten Thea und ich kurz darauf an einem anderen Kultplatz beim Medizinradbau wieder und es bekräftigte unser Vorhaben.
Die Folgezeit bis zum Bau war geprägt von Synchronizitäten und doppelten Regenbögen.
Und der 18. September selbst?
Während die Tage vorher regnerisch und neblig waren und an den bevorstehenden Herbst erinnerten, zeigte bereits der frühe Samstag
Morgen, dass der Nebel schon in der Dämmerung die Sterne und kurz darauf die aufgehende Sonne durchließ. Alles deutete auf
Harmonie und Einklang hin. Selbst der geplante zeitliche Ablauf war absolut stimmig, obwohl er sich mangels Erfahrung mit größeren Gruppen und auch in Unkenntnis, der zu erwarteten Mitbauerzahl kaum einschätzen ließ.
Doch um 9:00 Uhr waren fast alle da. Auch Pfarrer Schmatzberger kam kurz dazu und ließ sich nochmals den Ablauf erläutern. Dann folgten Räucherungen, ein Feuerritual, gemeinsames Tönen und Singen und Trommeln.
Die folgenden Stunden waren geprägt von einer heiligen Atmosphäre, von Aufmerksamkeit, Konzentration, Kontemplation und der
Absicht, eine Medizin für Mutter Erde und ihre Kinder entstehen zu lassen, nach einem Ritual, das sowohl indianische als auch einheimische, keltische Muster hatte:
- die 36 heiligen Steine nach Sunbear, (am Anfang und Ende waren es 18 Mitbauer,
die Hälfte von 36 !)
- der keltische Jahreskreis mit seinen 4 Sonnenfesten und 4 Mondfesten,
- die 12 Tierkreiszeichen
usw.
Jeder Stein hatte seine Auffindungsgeschichte, die oft schon mit der persönlichen Geschichte des Finders verbunden war.
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White Eagle setzt den Erdstein
Die Medizinradbauer und insbesondere Od*Chi
verstanden es, dem Ritual und vielen Steinen ein passendes Lied zu geben, das dann
vom Kreis aufgenommen wurde. Verschieden Instrumente (Trommeln, Rasseln,Flöte, Klangschale, Didgeridoo usw.) ertönten. Und Disharmonien beim Auslegen der heiligen Steine schienen vom entstehenden Steinkreis selber bereinigt zu werden.
Was passierte bei den Erbauern?
Lachende und weinende Gesichter, nachdenkliche und strahlende, in sich gekehrte und euphorische, bittende und dankende....
Wer mit offenem Herzen Medizin herstellt, wird ihre Wirkungsweise selber erfahren und selber geheilt werden.
Im Zentrum des Kreises, der Schöpfungskraft, fanden schließlich noch bunte Erntedankgaben ihren Platz.
Die Sonne geht über den Bergen des Reichenhaller Tals unter - ein strahlender Spätsommertag geht zu Ende -
Samstag, der 18. September, um 18:30 Uhr:
Ich stehe allein im Marienheilgarten Großgmain vor der Madonna und danke für das gute Gelingen
und ich weiß, dass es ein weiterer Schritt war.....
Ich danke allen Mitbauern, dem Pfarrer Schmatzberger, Mutter Erde und dem Großen Geist.
Mitakuye Oyasin
White Eagle
das alpine Medizinrad / Keltenrad in Großgmain