Eigentlich war die Exkursion zum diesjährigen abschließenden Sonnen-Zyklusbeginn am Agnesloch wettervorhersagebedingt schon abgesagt
- aber dann kam Sonntag, der 20. Januar 2008
und die Sonne bestrahlte schon morgens das Lattengebirge im Berchtesgadener Land.
Und schon bald klingelte das Telefon: die erste Anfrage, obs nun doch was mit der Exkursion wird. Ja - klar !
Schließlich fanden sich 11 Sonnenkultanhänger am Grabhügel ein (wenn auch einer zu spät kam).
Beim Verlassen des Weissbach-Waldes meldete sich das erste Wächter-Tier: ein Raubvogel, der sich jedoch nicht sehen ließ. Wie in "guten alten Zeiten" eröffneten und beschlossen die Tiere das Sonnenereignis.
Der Grabhügel präsentierte sich im vorfrühlingshaften grünem Gewand.der Grabhügel von Westen
Bald umwehte Weihrauchduft die aufgeregten Besucher.
Und ein "Sonnenfrischling" namens Gitti machte darauf eine unglaubliche Entdeckung:
"Da ist ja noch ein Felsenloch!" entfuhr es ihr und ein Raunen ging durch die Besuchergruppe. Vielleicht doch nur ein Schneerest in der dunklen Felswand? Jetzt wäre ein Fernglas Gold Wert gewesen. Ich machte mit der Teleeinstellung ein Foto und hoffte, es zuhause genauer prüfen zu können. Aber die Farben entsprachen eher der Farbe des Himmelhintergunds als dem vordergründigen Schnee.
Sollte links von den Teufelshörnern tatsächlich ein zweites, unbekanntes - weil klein und unscheibar - Sonnenauge existieren.
Die meditative Stille vor dem Hauptereignis war erst mal beim "Teufel" ...naja - beim Teufelsloch eben.
Schließlich schlüpfte die Sonne wieder durch ihr altbekanntes Felsenloch und unsere Trommeln und Rasseln erklangen, während wir über den Grabhügel wandernd dem Sonnenlauf folgten.
Dann kam ein verspäteter Matthias aus dem Wald - und der hatte ein Fernglas dabei...
Und ich sah mit zitternden Händen durch: trotz wackelndem Bild sah ich das Loch - ja, es war eindeutig ein Loch, ein Felsenloch.
Da war es wieder - jenes unbeschreibbare Entdeckungsfieber. Denn jenes Felsenloch könnte aufgrund seiner Lage das i-Tüpfelchen sein - das sogenannte Missing Link. Es erscheint möglich, dass um die Wintersonnenwende die Sonne durch das Teufelsloch Nr. 2 auf den Grabhügel fällt. Der Entdeckerin gebührt auch die Namenspatenschaft:
vielleicht wirds ein Gittiauge oder Gittiloch ?
Jener Sonnendurchgang müßte zudem wesentliche früher erfolgen, also so um die Mittagszeit.
Somit bliebe dann Zeit um gemütlich auf die andere Talseite hinüberzuwandern und bei der Hochburghöhe den 2. Sonnendurchgang durch Teufelsloch Nr. 1 (Agnesloch) zu erleben.
Das wäre ein im Alpenraum einzigartiges Sonnenspektakel...
Wäre....
Wir wissen es erst im kommenden Dezember.
Das würde nun wirklich die Anlage eines "Sonnen-Weges" begründen!

Somit stehen 2008 noch 2 (!) Sonnenloch-Erforschungen aus:
das Sonnenloch zur Sommersonnenwende, über das ich derzeit noch schweige - obwohl ich bereits eine glaubhafte Aussage dazu habe
und das Sonnenloch zur Wintersonnenwende am Grabhügel, das bis jetzt noch spekulativ ist - aber durchaus im Rahmen der Wahrscheinlichkeit.

Der Rückweg vom Grabhügel bot noch ein paar Überraschungen. Am unteren Ausläufer des sogenannten Hochackers im Heimgelände steht nun eine Klangsäule inmitten einer Steinspirale.
"Eine Steinsäule aus Basalt ist geschliffen und gesägt wie eine Stimmgabel.
Sie wird mit der Hand berührt und geklopft oder mit einem Klöppel angeschlagen. Es ertönt durch individuelle Schwingungen des Steins,
dessen eigenartiger sanfter Klang. Direkte Schwingungen und Töne
kann man spüren, wenn man den Kopf an den Stein anlegen.
So kann der harte und kalte Stein auf eine neue und andere Art erlebt werden und seine ‘weiche und sanfte Seite’ erkennen lassen."

Jenes Klangobjekt aus Stein in einer mystischen Steinkreisanlage paßt natürlich gut zu dem nahem Felsentor mit seinem Sonnenphänomen.

Das Sonnenfeuer des Teufelslochs begleitete uns noch innerlich und wenige Meter nach der Klangsäule lag ein erstarrter Feuersalamander auf unserem Weg. Da der Weg befahren wird, wurde der Salamander vorsichtig an den Wegesrand gebettet und etwas zugedeckt.

Ein paar Meter weiter stoppte die Gruppe wieder - diesmal präsentierte sich eine in den Waldweg gezeichnete Spirale - in dessen Mitte eine Feder lag. Ja, es gab wohl wieder viele achtsame Augen und tierische Wächter, die zum Schluss sogar Federn ließen...

Das Sonnenauge vom Lattengebirge .... eine unendliche Geschichte.
Aber vielleicht heißt es auch bald:
die Sonnenaugen vom Lattengebirge .... eine wahre Geschichte.

Ach ja - und wer jetzt noch meine Interpretation des Wetterorakels vom Agnesloch wissen möchte:
nachdem gestern und heute eher sonniges Wetter am Lattengebirge herrschte und morgen wohl mal kurz eher winterlich
somit ist der restliche Winter zu zwei Drittel sonnig und mild und einem Drittel winterlich :wink:

Die Sonnenaugen regen an - zum Träumen und Visionieren.

Weisser Adler

rechts: das Felsenloch im Signalkopf