Der "Klobenstein" bei Kössen, Tirol

3 km nördlich von Kössen inTirol, ganz nahe der bayerischen Grenze, ist die Wallfahrtskirche Klobenstein
in der engen Schlucht der Tiroler Ache. Daß gerade hier ein Wallfahrtsort ist kein Zufall, sondern aufs engste geknüpft an das Vorhandenseins des
"Klobensteins". Ein riesiger Felsbrocken ist irgendwann einmal von den Bergen oberhalb herabstürzt und hier liegengeblieben. Das Besondere daran ist, daß er in zwei Teile zerbrochen ist, zwischen denen man wie in einer
engen Schlucht hindurchgehen kann.
Eine Sage von der Entstehung des Naturphänomens erzählt von einem Wunder, daß der Sprung im Stein genau
dann passiert sei, als eine Frau von Kössen nach Marquartstein gerade dort unterwegs gewesen war. Der herabstürzende Block sei genau in dem Moment zerbrochen, als die Frau von ihm zermalmt worden wäre. "Es
springt der g'waltig Stoa netta mitdurch, und die Oa steht frei am Weg - herent und drent liegen die gsprungana Felsenwänd."

Die frühesten urkundlichen Aufzeichnungen über diesen Ort stammen aus dem Jahre 1696. Damals wollte ein gewisser Johannes Holzner an dieser Stelle eine Klause errichten, u.a. "zur besseren Aufsicht über den Opferstock" dort. Dieser seltsame gespaltene Felsblock war offenbar schon länger bei dem Menschen des Umlands bekannt, war mit einem Marienbild versehen worden und wurde gerne augesucht.
Es entstand zuerst eine "Waldkapelle", dann eine Lorettokapelle, 1886 kommt dann noch eine
Lourdeskapelle hinzu. Bemerkenswerterweise findet sich auch überhaupt kein Hinweis auf irgendwelche kultischen Handlungen rund um den Klobenstein im "Wallfahrtsbüchlein", das dort noch heute verkauft
wird. Sollte es wirklich derartiges nicht gegeben haben? Oder wird auch hier ängstlich vermieden, darauf hinzuweisen, weil das "Durchschlupfen" amtskirchlich vielfach nur auf Ablehnung gestoßen ist, ja sogar mit
Strafsanktionen bedroht worden ist.
Trotzdem, ganz konnte man die "Magie" dieses Ortes doch nicht zum Verschwinden bringen. Die Lorettokirche rückt ganz nah an den Riesenfelsen heran, so daß zwischen Felsen und Kirche nur ein schmaler Durchgang möglich ist. Man kommt zu einer Verzweigung. Nach rechts geht es auch steinbelegten Stufen hinunter durch den Felsspalt, nach links öffnet sich eine schmale Türpforte in der Kirchenmauer, die ziemlich genau die Breite der natürlichen Schlucht hat und somit darauf Bezug nimmt. Beim Durchgang streift man unwillkürlich die Felswände. War hier wirklich kein Brauchtum damit verknüpft?Wer weiß mehr darüber?
Quelle: Wallfahrtsbüchlein, Geschichte von Klobenstein bei Kössen in Tirol