Höhlen
ERDE:
Verbindung mit der Urmutter
Höhlen: Verbindung mit der Erdmutter und den Ahnen
In den Höhlen steckt für mich ein Stück persönliche Entwicklungsgeschichte. Heute erkenne ich in jenen Orten der Kraft, die Möglichkeit zur Rückverbindung mit der Erdmutter, zur Arbeit und Verbindung mit der Ahnenwelt.
Die Dunkelheit und Stille von Höhlen sind Attribute, die sich im hektischen und lauten Alltag und selbst zuhause kaum noch wirklich realisieren lassen. Gerade in der dunklen Jahreszeit bieten Höhlen Raum für wahre "Einkehr" und für Jahreskreisfeste.
Foto oben: Trommelritual in der Grasslhöhle am Untersberg
Als Opfer bzw. Geschenk an die Höhlengeister bringen wir gern Kerzenlicht, Räucherungen oder selbstgemachte Musik mit.
Das Erlebnis, in einer kalten Winternacht in den Schutz und die Wärme einer Höhle hinabzusteigen, ist kaum beschreibbar und wird am ehesten durch die leuchtenden Augen und Gesichter der Höhlenbesucher nach diesem Erlebnis deutlich.
"Rückkehr in den Bauch von Mutter Erde" für ein paar stille Momente - ein Kult, der zu den großen alpinen Erlebnissen gehört.
Und dabei den alltäglichen Redeschwall einfach mal abstellen und nur noch hinhören und hinfühlen.
Methoden
Ein alpenschamanischer Höhlenkult ist eine synkretistische spirituelle Praxis im Alpenraum, die animistische Naturphilosophie, moderne neoschamanische Techniken (oft nach Michael Harner) und regionale Alpensagen oder vorchristliche Mythen miteinander verbindet. In diesem Kult werden Höhlen als direkte Tore zur Erdgöttin (Mutter Erde), als Gebärmutter-Symbole und als Übergänge in die schamanische Unterwelt verstanden.
Zentrale Mythologie des Kults
Der Kult basiert auf der Vorstellung, dass die Berge lebendige Wesen sind und Höhlen die Kanäle zu den Urkräften der Alpen darstellen. Geopferte Gaben oder Rituale in den Höhlen dienen der Kommunikation mit den „Saligen Fräulein“ (Sagenfiguren der Alpen), Berggeistern oder Ahnen. Die Dunkelheit der Höhle wird nicht als bedrohlich, sondern als schützender, transformierender Raum für das eigene Ego begriffen.
Die wichtigsten Methoden des Kults
- Die schamanische Höhlenreise (Tranceinduktion): Praktizierende nutzen den sensorischen Entzug (Deprivation) in der absoluten Dunkelheit der Höhle. Unterstützt durch das monotone Schlagen von Rahmentrommeln oder Rasseln verändern sich die Gehirnwellen. Das Ziel ist eine bewusste spirituelle Reise in die Unterwelt, um Krafttiere oder Berggeister um Rat zu fragen.
- Inkubation (Heilschlaf): Teilnehmer legen sich für mehrere Stunden oder eine ganze Nacht auf den Höhlenboden. In dieser Kälte und Isolation wird auf prophetische, intensive Träume oder Visionen gewartet, die Antworten auf Lebensfragen liefern sollen.
- Alpines Räuchern (Reinigung): Vor dem Betreten des tiefen Höhlensystems werden der Eingangsbereich und die Teilnehmer rituell gereinigt. Zum Einsatz kommen heimische Alpenkräuter und Harze, insbesondere Beifuß, Wacholder und Fichtenharz, um negative Energien abzuwehren und den Raum zu sakralisieren.
- Erdungs- und Initiationsrituale: Neue Mitglieder durchlaufen symbolische Tode und Wiedergeburten. Durch das Kriechen durch extrem enge Felspassagen („Schlupfsteine“) wird die eigene Geburt nachempfunden. Das Berühren der feuchten Höhlenwände gilt als direkter Energieaustausch mit dem „Blut der Erde“ (Bergwasser).
- Gaben- und Dankesopfer: An zentralen Stellen (oft natürlichen Steinaltären oder unter Tropfsteinen) werden Opfergaben dargebracht. Typisch sind Tabak, Milch, Honig, Getreide oder Bergkristalle, um die Geister des Berges für das Betreten ihres Reiches milde zu stimmen.
Orte
In den Alpen gibt es spezifische, teils seit Jahrtausenden genutzte Kult- und Krafthöhlen. Sie dienen modernen alpenschamanischen Netzwerken sowie historischen Ritualen als feste Bezugspunkte.
Das Epizentrum des alpinen Schamanismus ist das Untersberg-Massiv im Berchtesgadener Land und Salzburg, das in der Szene als „Herzchakra Europas“ gilt.
1. Das Epizentrum: Der Untersberg
- Grasslhöhle (Bayern): Dies ist die wichtigste rituelle Höhle moderner Alpenschamanen. Ein alter Steig führt an ihr vorbei. Sie verfügt über einen großen, saalartigen Eingangsbereich, der intensiv für Meditationen, schamanische Trommelreisen und Trancerituale genutzt wird, da ihr ein starkes meditatives Potenzial zugeschrieben wird.
- Schellenberger Eishöhle (Bayern): Deutschlands einzige Schau-Eishöhle dient schamanisch Praktizierenden als Symbol für die eisige Unterwelt und die „saligen“ Wesen des Berges.
- Kolowratshöhle (Salzburg): Eine gewaltige Höhle auf der österreichischen Seite des Berges, die aufgrund ihrer Tiefe und der Sagen über „Zeitlöcher“ und Spiegelwelten für Initiationsrituale aufgesucht wird.
2. Weitere rituelle Höhlen im Alpenraum
- Tischofer Höhle (Kufstein, Tirol): Eine historisch extrem bedeutsame Höhle. Hier wurden prähistorische Knochenwerkzeuge und die Skelette von über 300 Höhlenbären gefunden. Sie gilt als klassischer bronzezeitlicher Kultplatz und wird heute für Erdungs- und Ahnenrituale genutzt.
- Gudenushöhle (Kleines Kremstal, Niederösterreich): Diese Steinzeithöhle am Ostrand der Alpen war bereits vor 70.000 Jahren von Neandertalern bewohnt. In der neoschamanischen Szene gilt sie als einer der ältesten mütterlichen Kraftorte Österreichs und wird für Inkubationsrituale (Heilschlaf) genutzt.
- Kendlötsch-Höhle / Schluchtbereiche (Salzkammergut): Das gesamte Karstgebiet rund um das Tote Gebirge und das Salzkammergut ist durchzogen von Höhlen, die historisch mit dem Kult der Percht (der alpinen Urgöttin) verknüpft sind. Kleinere, nicht touristisch erschlossene Höhlenspalten werden hier für Opfergaben (Kristalle, Milch) genutzt.
- Grotta di Nadro (Valcamonica, Italien): Am Alpensüdrand gelegen, berühmt für prähistorische Felsritzungen, die oft tanzende, hirschgeweih tragende Gestalten (frühe Schamanen-Darstellungen) zeigen. Die umliegenden Felsunterstände und Höhlen sind Ziele für schamanische Pilgerreisen.
Wichtiger Hinweis zur Praxis
Die meisten dieser Höhlen liegen im hochalpinen Karstgelände, sind schwer zugänglich und bergen durch Orientierungsverlust und Steinschlag lebensgefährliche Risiken. Seriöse Praktizierende nutzen daher fast ausschließlich die gut zugänglichen Portalbereiche (Eingänge) oder führen die tiefen Rituale nur in Begleitung erfahrener Höhlenführer durch.
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